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Tutti a Tavola!

 

Meine schönsten Kindheitserinnerungen sind in der Küche meiner Mama und meiner Nonna entstanden.

Bevor die Sonne aufging stand Mama schon in der Küche und knetete den Teig für die frischen Nudeln. Der lange Holztisch wurde mit Mehl bestäubt und die Teigplatten darauf ausgerollt. Stundenlang formte sie mit ihren flinken Fingern unendlich viele Orecchiette, Nudeln, die wie kleine Öhrchen aussehen. „Mädchen, die keine Orecchiette machen können, bekommen keinen Mann!“, sagte sie immer und drückte meinen Schwestern und mir ein Stück Teig in die Hand. Mama kannte keine Müdigkeit und scheute keine Mühe beim Kochen. Das Gemüse und die Kräuter erntete sie frisch in unserem Garten und alles, was Mama zubereitete, schmeckte vorzüglich. 

Tutta tavola - der Tisch ist gedeckt, rief sie, und innerhalb von Sekunden saßen meine elf Geschwister und ich am Tisch. In meiner sonst so lebhaften und lauten Familie herrschte für einen Augenblick genussvolle Stille ... 

Schon als Kind war die Küche der schönste Ort für mich, ob bei meiner Nonna, die übrigens aus Giovanna Nannina gemacht hat, oder bei Mama. Mein erstes Gericht, das ich eigenhändig zubereitete, waren mit Ricotta gefüllte Ravioli, leicht gezuckert und mit Zimt gewürzt. Dazu servierte ich ein Lammragout nach Art meiner Nonna. „Das gab es bei meiner Hochzeit“, hatte sie mir mit Tränen in den Augen und Mehl im Haar erzählt. 

So hat jedes Gericht seine ganz eigene Geschichte. Nonna mochte die Nudeln al dente, passend zu ihrem Charakter, während Mama weiche Pasta bevorzugte, was wiederum ihrem Wesen entsprach. Nach meinem ersten Nudelgericht wechselten die beiden einen zufriedenen Blick und alle wussten, dass die kleine Nannina nun alles beherrschte, was eine gute Köchin zu lernen hatte. 

Vielleicht werden meine beiden Kinder später ähnliche Geschichten aus ihrer Kindheit erzählen. Mein Sohn Fabio hat sein erstes Gericht bereits mit fünf Jahren kreiert, und als er glückselig „tutta tavola“ rief, warf er vor lauter Begeisterung den Kochlöffel in die Luft, sodass die Speisekarte an der Decke zu sehen war. 

 

Ich bin sehr stolz auf meine Familie und darauf, dass ich meinen Gästen jeden Tag ein Stück meiner Familiengeschichte mitgeben darf.